Nun gibt es nach langem wieder einen Reisebericht von der letzten Fahrt nach Bosnien.
geschrieben von: Melli
 
Mit dabei waren Steffi​ und Sepp​ und wir fuhren am Freitag(21.04) gleich morgens los und sind am Nachmittag schon in Bosnien angekommen.
 
Das erste was wir taten, war Auto ausladen und dann gings gleich in die Stadt zum Hunde füttern.  Man merkt deutlich, dass wieder Frühjahr ist, überall Welpen, Junghunde und trächtige Hündinnen :(. Obwohl schon einige Hunde kastriert wurden, nimmt es kein Ende.
 
Jeder Hund, den wir antrafen, bekam eine ordentliche Portion Futter und Streicheleinheiten, sofern sie zutraulich genug waren.
 
Wir haben an diesem Wochenende wieder so einiges erlebt - und nicht nur schöne Dinge :(
Das schlimmste Gefühl, was man haben kann, ist zu wissen, dass man nie alle retten kann :(. Unser Hopeland hat nun mal auch nur begrenzte Kapazität. Wir dürfen nicht zu viele Hunde ins Hopeland bringen, da es dann Rauffereien und Unruhe im Rudel gibt. 
Dann gibt es eben diese Momente: Man trifft eine Schaar voll Hunde, man steigt aus dem Auto und will den armen Seelchen wenigstens Futter geben. Dann entdeckt man Welpen. Erst einer, dann zwei, dann drei. Zu scheu, um sie zu fangen, doch Futter bekommen sie trotzdem. Dann entdeckt man eines der Welpen, bei seinem toten Geschwisterchen kauern. Ein Anblick, der den Atem zum stocken bringt. Man erlebt ja relativ viel im Tierschutz, doch kalt lassen, wird einem dieser Anblick nie! Innerlich spielen sich die Fragen ab:"Was machen wir mit Ihnen? Können wir sie nicht aufnehmen? Aber wenn wir den kleinen Aufnehmen, dann muss Mama und die Geschwister auch mit!...Verdammt, wie soll das gehen? Wir haben keinen Platz :("
Solche Gedanken kreisen einem im Kopf und man verflucht sie. Dann redet man sich ein, dass sie eine Mama haben, die sich gut um sie kümmert. Dass sie regelmäßig von Haris und Nirvana Futter bekommen und man eben NICHT alle retten kann. Wie wir diesen Spruch hassen :'(
 
Denn im Hinterkopf hatten wir noch Suna mit ihren 8 Welpen. Beim Essen kam die Frage auf, was wir mit der Familie machen. Eigentlich mussten wir nicht lange überlegen. Denn Suna brauchte dringend medizinische Hilfe, denn sie hat Milben und hatte einen Gebärmuttervorfall durch die Geburt. Auch war die Lage der Familie sehr gefährlich, da sie direkt an der Straße lebten. Wenn sie weiterhin wachsen und das Laufen anfangen, sahen wir das Szenario schon vor Augen.
Also war der Entschluss gefasst; Suna und die 8 Welpen müssen gesichert werden. Noch zwei weitere Welpen brauchten unsere Hilfe, denn der Bruder wurde von Anwohnern vergiftet.
Und schon kamen die dummen Gedanken wieder: "ZEHN Hunde mehr im Hopeland" EGAL, sie brauchen uns. Wie soll man rational denken, wenn es um Leben und Tod geht.
Außerdem haben wir das weltbeste Helferteam, das sich hervorragend um die Hunde im Hopeland kümmert!
 
Doch auch unsere Möglichkeit zum Helfen ist begrenzt.. Als wir alle unsere neuen Hopelander in die Quarantäne brachten, gefiel uns der Zustand eines Welpen ganz und gar nicht. Er zitterte und fiel die ganze Zeit um. Also mussten wir schnell Handeln. Er schrie so herzzerreißend und wir fühlten uns so hilflos. Bis zum nächsten Tierarzt überlebt er es nicht. Also bekam er Infusion und Aufbauspritzen. Wir wussten, dass es sehr schlecht um ihn stand, daher gaben wir ihm den Namen Littlefoot. Denn wenn er sterben sollte, soll er uns nicht ohne Namen verlassen. Wir riefen in Deutschland an um uns Rat einzuholen, was wir noch tun können. DOCH dann kam der Augenblick, an dem sein Herz für immer das Schlagen aufhörte. Er hatte einen erneuten Anfall, den er nicht überlebte. Wir versuchten noch alles, um ihn wiederzubeleben: mit Herzdruckmassage und Beatmung, vergebens....
LITTLEFOOT, wir konnten Dich nicht retten, doch nun bist Du an einem Ort, an dem Dir keiner mehr was Böses tut. Viel zu früh hast Du die Welt verlassen - machs gut kleiner Krieger.
 
Wir waren wie gelähmt und unfähig, irgendetwas zu tun. Nur die Hunde konnten uns aufheitern.
 
Am nächsten Morgen verbrachten wir den ganzen Tag im Hopeland und konnten wieder lachen. Die Hunde sind glücklich und es macht so viel Spaß, sie beim Spielen zu beobachten. 50 Hunde, die Glück hatten und nun neue Hoffnung im Hopeland schöpfen. Wir können NIE alle retten und es wird immer ein Fass ohne Boden sein, solange sich nichts grundlegendes im System ändert. Doch für diese 50 Hunde und die vielen Hunde vor ihnen und die vielen Hunde, die nach ihnen folgen werden - für diese Hunde machen wir das.
Und nicht nur wir denken so, sondern auch die vielen tollen Organisationen, die Tierschutz betreiben. Solange der Mensch denkt, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.
Diese Zeilen geben Einblick, wie emotional und belastend jede Reise nach Bosnien ist. Doch trotz der Höhen und Tiefen machen wir unsere "Arbeit" gerne
 
Wir bedanken uns auch für diese Fahrt wieder bei unseren tollen Unterstützern, die uns den Rücken stärken und uns die Möglichkeit geben, überhaupt zu helfen. Wir erhalten oft Lob - doch bitte vergesst nicht:  NUR durch Euch können wir überhaubt helfen. Von nichts, kommt nichts  Deshalb seid Ihr so wichtig und die Hunde brauchen Euch!